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Rechnungsverarbeitung mit KI: Wie Agenten vorkontieren und das Vier-Augen-Prinzip erhalten

Digitale Rechnungsprüfung am Bildschirm mit Buchungsvorschlag und Freigabeschritt
Rechnungsempfang in deutschen Unternehmen 2024
96 %E-Mail93 %Briefpost45 %E-Rechnung
Quelle: Bitkom, Unternehmensbefragung E-Rechnung 2024

In vielen Buchhaltungen des Mittelstands sieht der Arbeitstag noch immer so aus: Ein Teil der Rechnungen kommt per E-Mail, ein anderer per Post, vereinzelt schon als strukturierte E-Rechnung. Jede muss gelesen, geprüft, kontiert und freigegeben werden, bevor sie ins DATEV- oder ERP-System wandert. Genau an dieser Stelle setzen KI-Agenten an, die Rechnungen vorkontieren und Abweichungen markieren, bevor ein Mensch sie sieht. Entscheidend dabei: Das Vier-Augen-Prinzip fällt nicht weg, es wird effizienter gemacht, nicht ersetzt.

Der Status quo: Drei Kanäle, ein Nadelöhr

Wie heterogen der Rechnungseingang in deutschen Unternehmen tatsächlich ist, zeigt die Bitkom-Unternehmensbefragung E-Rechnung 2024: 96 Prozent der Unternehmen erhalten Rechnungen per E-Mail, 93 Prozent weiterhin per Briefpost, aber nur 45 Prozent nutzen echte E-Rechnungen im strukturierten Format wie XRechnung oder ZUGFeRD. Das bedeutet: Der Großteil der Belege liegt als PDF, Scan oder Papier vor und muss erst maschinenlesbar gemacht werden, bevor überhaupt eine automatisierte Prüfung möglich ist. Mit der schrittweisen E-Rechnungspflicht im B2B-Bereich, die im Zuge des Wachstumschancengesetzes ab 2025 greift, wird sich dieses Verhältnis verschieben, doch bis dahin müssen Buchhaltungen mit allen drei Kanälen parallel umgehen.

Was ein Agent bei der Vorkontierung tatsächlich leistet

Ein gut konfigurierter Rechnungsagent übernimmt die Schritte, die heute Zeit kosten, aber wenig fachliches Urteilsvermögen erfordern:

Der Agent arbeitet also als Vorprüfer, nicht als Entscheider. Er reduziert die manuelle Erfassungsarbeit, die in vielen Buchhaltungen den größten Zeitanteil bindet, und schafft damit Raum für die eigentliche fachliche Prüfung.

Abweichungen erkennen, bevor sie zum Problem werden

Der eigentliche Mehrwert liegt weniger in der Geschwindigkeit als in der Konsequenz, mit der Auffälligkeiten erkannt werden. Ein Agent prüft jede Rechnung nach denselben Regeln, unabhängig von Tagesform oder Arbeitsaufkommen. Typische Muster, die markiert werden:

Diese Fälle werden nicht automatisch gebucht, sondern gezielt an die zuständige Person zur Klärung weitergeleitet. Die Bearbeitungszeit sinkt vor allem dort, wo bisher jede Rechnung gleich intensiv geprüft wurde, unabhängig davon, ob sie unauffällig war oder nicht.

Das Vier-Augen-Prinzip bleibt Pflicht, nicht Kür

Gerade in der öffentlichen Hand und im geprüften Mittelstand ist die Versuchung groß, Automatisierung mit Kontrollverzicht zu verwechseln. Beides hat nichts miteinander zu tun. Die Anforderungen der GoBD an Nachvollziehbarkeit, Unveränderbarkeit und Dokumentation gelten unverändert, auch wenn ein Agent an der Vorprüfung beteiligt ist.

Ein Agent schlägt vor, ein Mensch entscheidet. Wer diese Reihenfolge umdreht, verliert nicht nur die Kontrolle, sondern im Zweifel auch die Revisionssicherheit.

In der Praxis bedeutet das: Der Freigabeworkflow im DATEV- oder ERP-System bleibt bestehen, inklusive rollenbasierter Berechtigungen und lückenloser Protokollierung, wer wann welchen Buchungsvorschlag geprüft und freigegeben hat. Der Agent liefert die Vorarbeit und die Begründung für seine Einschätzung, etwa warum eine Abweichung als kritisch markiert wurde. Die eigentliche Freigabe, insbesondere bei Beträgen über festgelegten Schwellenwerten, bleibt an mindestens zwei Personen gebunden. Das ist keine technische Einschränkung, sondern eine bewusste organisatorische Entscheidung, die Prüfungssicherheit gegenüber Wirtschaftsprüfern und Aufsichtsbehörden erhält.

Wirtschaftlichkeit: Was sich wirklich rechnet

Wie stark sich der Aufwand tatsächlich reduziert, hängt stark vom Rechnungsvolumen, der Kanalverteilung und dem bestehenden ERP-System ab. Pauschale Versprechen sind hier wenig hilfreich. Sinnvoller ist eine belastbare Einschätzung anhand der eigenen Zahlen, etwa über einen Einsparungs-Rechner, der Rechnungsvolumen, Fehlerquote und heutigen Personalaufwand gegenüberstellt. Wer zusätzlich sehen möchte, in welchen weiteren Bereichen der Buchhaltung und Verwaltung ähnliche Agenten sinnvoll eingesetzt werden, findet einen Überblick in unseren Einsatzfeldern.

Vom Pilotprojekt zur produktiven Lösung

Ein realistischer Einstieg beginnt nicht mit der kompletten Kreditorenbuchhaltung, sondern mit einem klar abgegrenzten Teilbereich, etwa einem Lieferanten mit hohem Rechnungsvolumen oder einer einzelnen Kostenstelle. So lässt sich prüfen, wie zuverlässig die Vorkontierung tatsächlich arbeitet und wo die Prüflogik nachjustiert werden muss, bevor der Agent in die Fläche geht. Förderprogramme für die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen im Mittelstand finden sich unter anderem in der Förderdatenbank des Bundes, mit der sich ein Teil der Einführungskosten oft mitfinanzieren lässt.

Wenn Sie einschätzen möchten, was ein solcher Agent für Ihr Rechnungsvolumen konkret bedeuten würde, lohnt sich ein Blick in den Rechner oder ein direktes Gespräch über unseren Kontakt. Wir zeigen Ihnen, wie sich Vorkontierung, Abweichungserkennung und Vier-Augen-Prinzip in Ihrem bestehenden DATEV- oder ERP-System sauber zusammenführen lassen.

Porträt von Dennis Weidner
Dennis Weidner

Gründer und Geschäftsführer von Weidner & Friends. Entwickelt KI-Agenten und agentische Systeme für den Mittelstand.